Gehen wir von einem sehr realistischen Szenario aus: Es ist genau eine Woche vor dem so wichtigen saisonalen Fotoshooting und die Hälfte der Kollektion hängt noch nicht frisch gebügelt und makellos im Showroom. Schlaflose Nächte werden abgelöst von aufgeregten Anrufen von Mitarbeitern von Produktionsstätten. Patzige Mails wechseln die Besitzer. Als nachhaltiges unabhängiges Modelabel hat man dauerhalt 2 Herausforderungen zu bewältigen: zum einen ist es die Produktion der Kleidungsstücke, die immer sehr nervenaufreibend ist. Zum anderen verursacht die Beschaffung der richtigen Stoffe und Komponenten (wie Knöpfe, Reisverschlüsse etc.) die größten Kopfschmerzen.

An dieser Stellemöchte ich auf die Schwierigkeit der Produktion genauer eingehen. Eine klassische Produktion von Modekollektionen ist meistens weit im Voraus geplant und wird dann oft unter sehr hohem Zeitdruck produziert. Alle „klassischen“ Modefirmen, bei denen ich als Designer tätig war, haben ihre Produktionsabläufe mit hohem Einsatz an Personal und Budget sehr genau geplant und bekamen die Produkte immer erst sehr kurz bevor sie ausgeliefert werden mussten. Gemütliches Arbeiten ist nie möglich. Umso schwieriger gestaltet sich die Entwicklung einer Modekollektion eines unabhängigen Labels, welches nicht über große Konzernstrukturen verfügt.

Oft werden üblicherweise große Mengen produziert, was aus wirtschaftlich nachzuvollziehenden Gründen für die meisten Produktionen lukrativer ist. Kleinserien oder Einzelstücke herzustellen ist hingegen oft teurer. Außerdem stellen Produktionen auch diese kleinen Aufträge an den Schluss des Produktionszykluses, was zu einer späteren Lieferung führt. Dadurch wird natürlich die Saison und damit die Zeit, in der das Kleidungsstück leicht verkauft werden kann erschwert und verkürzt. In großen Mengen zu produzieren führt unweigerlich zu einem zu großen Lagerstand, der dann in verschieden Salesstadien stark verbilligt abgebaut werden muss.

Was die Arbeit in Österreich noch zusätzlich erschwert ist der Mangel an gut spezialisieren Produktionsstätten, die zu erschwinglichen Preisen Einzelstücke oder Kleinserien herstellen können. Oft fehlt es an Maschinen, die für spezielle Produktgruppen notwendig sind. Viele Werkstätten sind nicht gewillt keine Serien herzustellen und verlangen eine gewisse Anzahl an Stückzahlen, die die Designer*innen abnehmen müssen, was oft das Budget sprengt. Ich möchte hier mit der romantischen Vorstellung vieler Kunden aufräumen, dass ein Designer jedes einzelne Kleidungsstück selbst näht. Ohne Bewertung über einzelne Berufsgruppen abzugeben, gibt es nämlich einen großen Unterschied zwischen Designlabels, die serielle Kollektionen herstellen und Maßschneidern, die nur Einzelstücke anfertigen. Ein Unterschied zeigt sich dabei auch in der Preisgestaltung.

Wenn man sich nun all dieser oft großen Herausforderungen bewusst ist, fällt es vielleicht leichter den Wert eines kleinen unabhängigen Labels zu schätzen, das alle diese Probleme irgendwie gelöst hat. Seit über 12 Jahren beschäftige ich mich nun schon mit dem Managen eines eigenständigen Labels. Wer weiter in die Themen eintauchen möchte, dem lege ich mein Buch sehr ans Herzen.

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Foto: Albert Klebel